Die Kraft des Loslassens // Weiblichkeit leben

Loslassen ist ankommen im JETZT

Cassy Lou über Weiblichkeit, Genuss und LoslassenUnser Gehirn ist oft darauf trainiert auf etwas hinzuarbeiten oder auf etwas zu warten. Dein Verstand signalisiert dir: du kannst erst genießen, wenn DAS … passiert oder eintrifft. Die Tatsache ist aber meist: selbst wenn diese eine Sache eingetreten ist, stellt sich nicht wirklich Genuss ein. Denn Genuss bedeutet vor allem eins: Loslassen, sich fallen lassen, Gedanken abschalten. 

Egal um welche Art von Genuss es geht: den Kaffee genießen, den Partner genießen, Sonnenstrahlen genießen. Es passiert immer dann, wenn man sich bewusst fallen lässt. Wir alle wissen wie schön es ist, logisch denken zu können, zu analysieren, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Aber genauso schön ist es, das einfach mal abzuschalten. Die Kunst ist immer die Balance zu finden.

Für mich ist eine starke Komponente der Weiblichkeit: Loslassen zu können. Ich nenne das auch gerne Hingabe (was nicht mit Unterwürfigkeit zu verwechseln ist) – in meinem Guide über Weiblichkeit, Hingabe & Sexualität findest du mehr darüber! Hingabe bedeutet Hingabe an den Moment, an das jetzt, die Fähigkeit Situationen und Personen so zu nehmen wie sie sind, ohne daran herumbasteln zu müssen. Das ist Frieden und Loslassen… und auch SELBSTLIEBE.

Loslassen in Beziehungen

Dieses Prinzip ist für jeden Lebensbereich so hilfreich und stärkend. Und besonders in Beziehungen ist es soo wichtig, aber auch oft so schwer. Eine Person frei und sein zu lassen wie sie ist, erfordert deine Bereitschaft über Ängste hinaus zu wachsen. Denn unbewusst ist es immer wieder die Angst, die uns Personen einsperren und festhalten lässt.

Ich bin in meinem Leben generell selbstbewusst und mutig. Doch immer wieder habe ich mit Erschrecken festgestellt, wie panisch ich in meinen Beziehungen wurde, wenn es um einen Mann ging, den ich wirklich in mein Herz geschlossen hatte. Oft waren es nur Kleinigkeiten, die mich an mir und an meiner Wertigkeit für diesen Mann zweifeln ließen. Und ich war oft an dem Punkt meine Eifersucht und Angst überspielen zu müssen, damit nicht alles völlig aus dem Ruder lief. Die Wahrheit war nur leider: ich war und bin eine extrem schlechte Schauspielerin 😁.

Weibliche Existenzangst

Frau sitzt auf dem Boden - verzweifeltIch habe lange und intensiv in meinem Leben über Beziehungen nachgedacht. Einfach weil ich wirklich wissen wollte: wie funktioniert eine von Grund auf gute und gesunde Beziehung. Ich war unzufrieden mit mir, aber ich hab den Hebel nicht gefunden. Die Schuld einfach auf einen Partner zu schieben und mir dann jemand „besseres“ zu suchen, war mir zu wenig. Ich wusste, egal wer dann neues an meiner Seite wäre, in absehbarer Zeit würden diese tieferen Mechanismen der Angst wieder in mir ablaufen.

In einigen Coachings und Kursen, in denen ich begonnen habe mich mit dem Thema Weiblichkeit näher zu befassen, wurde mir Stück und Stück die Tiefe dieser immer wieder ablaufenden Prozesse bewusst. Ich glaube nicht mehr an die Emanzipation als Allheilmittel. Was ich damit meine ist, dass Unabhängigkeit, Freiheit und Gleichberechtigung auf dem „Papier“ nicht mit einem Schlag Jahrtausend alte Strukturen und Denksysteme wegwischen können. Die weibliche Schwäche ist immer noch in unseren Köpfen, auch wenn man das jetzt offiziell nicht mehr so sagen darf. 

Dass sich ein Mann vor mir zurück zieht, war immer eines der schlimmsten Erlebnisse in meinem Leben. Es hat in mir eine Angst ausgelöst, die so tief und unerklärlich war, dass ich es selbst nicht verstanden habe. Bis mir klar wurde: es ist Existenzangst. Ich führe es darauf zurück, dass wir Frauen dieses Abhängigkeitssystem in vielen Punkten noch nicht überwunden haben. Aber das heißt nicht, dass es so bleiben muss. Die Sache mit der Bewusstseinsarbeit ist nur: man muss sich den Dingen stellen und die Prozesse in sich wirken lassen. Und wenn man das will, kommen wirklich genau die richtigen Situationen auf einen zu, die die tiefsten Ängste zum Vorschein kommen lassen.

Die Situationen zum Loslassen kommen

Mann und Frau umschlungenVor etwa zwei Jahren bin ich einem Mann begegnet. Ich weiß nicht, was er gefühlt hat, aber ich habe noch nie so eine Art der Anziehung und Vertrautheit verspürt. Für mich war es viel mehr als nur ein „verliebt sein“. Es war fast schon magisch. Doch nur kurze Zeit später, hat sich das für mich in eine Art Albtraum entwickelt. Dieser Mann hat mir den Rücken gekehrt und mehr als deutlich gemacht, dass meine Nähe zu viel ist. Was ich damals nicht verstand: es hat mich genau an diesen Punkt geführt! Der Punkt meiner größten Angst und ich MUSSTE lernen loszulassen. Für mich hat es fast zwei Jahre gedauert, das zu verarbeiten. Aber ich merkte immer dabei: das ist der Weg, den ich gehen muss. Das sind die Prozesse, die in mir ablaufen müssen, damit ich wirklich klar, unabhängig und dazu fähig bin eine gesunde Beziehung zu führen. Ohne Angst!

Obwohl es sicher nicht angenehm ist, sich diesen tiefen Wunden zu stellen. Gleichzeitig ist es wundervoll, denn man erlebt Stück für Stück tiefe Veränderung. Ich bin glücklich über diese Begegnung. Sehr! Ich hab daraus so viel gelernt und mich zum ersten Mal wirklich mutig meinen Ängsten gestellt. Jetzt kann ich aus tiefstem Herzen sagen, dass ich an dem Punkt bin alles loslassen zu können. Egal wie lieb und teuer es mir ist. Letztendlich: wenn ich „falle“, falle ich auf festes Fundament, auf eine tiefe Vertrautheit zurück. Dieses Fundament bin ich. Und das ist sehr konkret geworden. Ich weiß, dass mir das niemand mehr nehmen kann. Genau aus dieser Grundlage heraus kann ich nun jede Beziehung in meinem Leben genießen.

Ich glaube das ist der Punkt, wo wahre Liebe anfängt.

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