Schmerzen beim Sex – Ursachen und Tipps, die dir helfen können!

1) Ist es normal Schmerzen beim Sex zu haben?

Nackte Frau als Beitragsbild für Schmerzen beim Sex Beitrag
Bildquelle: @coloringcuties auf Instagram
  • Hast du als Frau beim oder nach dem Sex schon mal Schmerzen verspürt?
  • Fühlst du dich bei der Penetration öfter unwohl und leicht verletzbar?
  • Manche Sexstellungen sind für dich gar nicht oder nur mit Schmerzen umsetzbar? 

Dann möchte ich dir hier mit diesem Artikel gerne helfen die Gründe dafür zu finden. Auch wenn für dich Sexualität bisher eher problembehaftet war: glaube nie, dass du damit alleine bist! Glaube auch nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt und schäme dich bitte nicht!

Aus meiner Sicht ist es nicht „normal“ Schmerzen zu empfinden, aber das sage ich nicht, damit du dich als Ausnahme wahrnimmst. Sondern: um klar zu stellen, dass für dich und für jeden Sex ohne Komplikation, ohne Unwohlsein und ohne Beschwerden möglich ist. Und wenn ich von Sex rede, dann meine ich in diesem Zusammenhang vor allem (intensive, „lang andauernde“) vaginale Penetration. Das ist ja auch in erster Linie der Knackpunkt. Eine nette Oralmassage ist in den seltensten Fällen das Problem 😉.

Dafür ist es sehr wichtig dein Körperbewusstsein zu stärken und deinen Körper kennen zu lernen, insbesondere deine Vagina. Es geht in erster Linie nicht darum ein perfektes Verständnis über deine Körperanatomie zu haben (gewisse Grundlagen sind natürlich von Vorteil), sondern mehr um die Fähigkeit deinen Körper „spüren“ zu können. Deinen Körper intuitiv besser wahrzunehmen.

Um dein Sexleben nachhaltig zu transformieren, sind also zwei Dinge entscheidend: sich Wissen anzueignen (Theorie, Teil 2) und dann mehr in das Erleben in das Körpergefühl (Praxis, Teil 3) einzutauchen.

Falls du vermutest, dass du Schmerzen aufgrund einer Infektion oder Entzündungen im Genitalbereich hast, solltest du das auf jeden Fall beim Arzt checken lassen.

2) Was können die Ursachen für Schmerzen beim Sex sein?

Okay, los gehts. In diesem Teil möchte ich dir einfach mal die Punkte beschreiben, die zu Schmerzen führen können. Im 3. Teil werden wir uns konkrete Tipps dazu anschauen.

Was sind die drei schmerzanfälligsten Punkte beim Sex?

  1. Das Einführen des Penis
  2. Die Reibung (des Penis an der Vaginalwand)
  3. Das Anstoßen des Penis am Ende der Vagina (dort befindet sich der Muttermund, auch Zervix genannt)

Schauen wir uns die Punkte genauer an:

2.1 Schmerzen beim Einführen des Penis

Vielleicht ist dir schonmal aufgefallen, dass das nicht immer so leicht ist.
An manchen Tagen klappt es nahezu mühelos, während du an anderen Tagen einfach das Gefühl hast da unten ist die „Tür geschlossen“.

Ich kann mich noch sehr genau an den Tag erinnern, als ich bei einer Frauenärztin war, um festzustellen, ob ich mein Diaphragma richtig einsetzen kann (Diaphragma ist eine Alternative zum Kondom – es wird tief in die Vagina eingeführt und über dem Muttermund platziert).
Daraufhin wollte mir die Ärztin das richtige Einsetzen vorführen, hat sich einen Gummihandschuh angezogen und mir das Diaphragma rein geschoben (ja das klingt scheiße und genau so hat es sich auch angefühlt). Sogar am Tag danach hab ich noch einen leichten Schmerz verspürt.

Warum hat das weh getan?
Erstens: ich war nicht wirklich vorbereitet (damit habe ich auch ehrlich gesagt nicht gerechnet)
Zweitens: ich war nervös (= angespannt)

Und das sind die zwei Punkte, auf die ich hinaus will: Vorbereitung und Entspannung.

Vielleicht kann man das bei so einer Sache, wie einem sehr technischen Arztbesuch mal verschmerzen, aber du solltest definitiv nicht so ein Arztbesuch-Gefühl haben, wenn du Sex hast.

Entspannung ist der Schlüssel

Es ist wichtig zu verstehen, dass deine Vagina Teil eines Muskelsystems ist. Das bedeutet du kannst durch An- und Entspannung dieser Muskelgruppen über die Enge des Scheideneingangs bestimmen. Deine Vagina ist also extrem flexibel. Du kannst mit ihr wahrscheinlich ein Streichholz festhalten (nicht, dass ich je es ausprobiert hätte 😉 ) und gleichzeitig passt ein Babykopf durch.

Obst und Gemüse dargestellt. Die Größe spielt beim Sex keine Rolle.

Das bedeutet ganz allgemein gesprochen: egal wie groß oder dick ein Penis / Dildo ist – das ist nicht das Hauptproblem!

Es geht um deine Vaginal-Muskeln und darum diese zu entspannen. Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass man sich dabei oft täuscht. Man denkt gerne: wieso, ich bin doch entspannt?
So ist es jedoch häufig nicht. Wir verwechseln nichts spüren mit sich entspannt fühlen.
Glaub mir: die Kunst hierbei (und auch generell im Leben) ist die Entspannung und nicht die Anspannung.

Sexuelle Erregung. Bist du wirklich bereit?

Wenn du Sex haben möchtest, spielt deine sexuelle Erregung eine große Rolle. Der Körper schaltet in einen anderen Modus und deine Vagina beginnt feucht zu werden. Im Prinzip hat sie immer eine gewisse Grundfeuchte, nun kommt eben noch die Erregungsfeuchte hinzu (mehr dazu im nächsten Punkt).

Das ist gut und du solltest auch darauf warten. Das Zusammenspiel aus Entspannung deiner Muskeln & das Vorhandensein an genug Feuchte (das kann bei jeder Frau unterschiedlich sein) ist der Garant für schmerzloses Eindringen.

Und an dieser Stelle ist es extrem wichtig zu wissen, dass das komplett unterschiedlich sein kann. Vielleicht bist du an einigen Tagen in sekundenschnelle erregt und alles in deinem Körper sagt ja, während du an anderen Tage gefühlt 30 Minuten Vorspiel dafür brauchst.

Je besser deine Körperwahrnehmung wird und je vertrauter du mit deiner Sexualität wirst, umso leichter kannst du das selbst steuern. Wenn es jedoch noch nicht so ist, dann habe soviel Wertschätzung vor dir selbst und warte den richtigen Punkt ab. Ich denke ein Mann, der dich wirklich liebt und dich wertschätzt, wird dich in dem unterstützen und dich respektieren.

Entschleunigung ist das Zauberwort. Du drehst keinen Porno! Lass dir Zeit und sei präsent in deinem Körper.

2.2 Schmerzen an der Vaginalwand

Für diesen Punkt ist ebenso deine Entspannung, aber noch wichtiger: das Vorhandensein von genug Feuchtigkeit entscheidend. Wenn es zu trocken ist, ist das zum einen unangenehm und zum anderen unter Umständen auch „gefährlich“, weil bei zu großer Reibung auch mal der Kondom reißen kann.

Feuchtigkeit ist der Schlüssel:

Zitrone als Veranschaulichung der Feuchtigkeit beim Sex.

1) Wie feucht es wird ist von Frau zu Frau komplett unterschiedlich
Das ist eine Notiz an alle Männer: Mehr Feuchte heißt nicht unbedingt mehr Geilheit !

2) Wie feucht es wird ist zyklusabhängig
… und hier wird es spannend. Dein Zyklus bestimmt und steuert sehr viel in deinem weiblichen Körper. So auch deine Fruchtbarkeit und damit verbunden die Produktion des sogenannten Zervixschleims. Das ist der Schleim, in dem die Spermien sich optimal bewegen können und in der fruchtbaren Zeit möglichst schnell die Eizelle erreichen können. Hattest du deinen Eisprung, so wirst du feststellen, dass dein Körper danach weniger „Feuchtigkeit“ produziert und sich deine Vagina für dich wieder etwas trockener anfühlt.

Der Erregungsschleim im Gegensatz dazu, wird immer bei sexueller Erregung produziert. Optisch sind die beiden (äh) „Schleimsorten“ schwer unterscheidbar. Der Erregungsschleim zum Beispiel löst sich in Wasser auf, der Zervixschleim hingegen nicht!

Okay, soviel dazu. Was bedeutet das konkret für dein Sexleben?
An sehr unfruchtbaren Tagen (also nach dem Eisprung + in der Menstruationsphase) ist deine Vagina etwas trockener als sonst. Selbst wenn du dann sexuell erregt bist und die Erregungsflüssigkeit ins Spiel kommt, kann es trotzdem sein, dass es einfach nicht feucht genug ist.

Deine Lust ist vielleicht potentiell genauso groß, nur dein Körper reagiert zyklusabhängig unterschiedlich.

Beachte dazu: die Pille kann eine bedeutende Rolle spielen. Wenn du die Pille nimmst hast du keinen natürlichen Zyklus mehr! Die Pille ist ein komplett eigenes Thema für sich.
Der Punkt ist:  Eine der größten Nebenwirkungen der Pille ist sexuelle Unlust und Scheidentrockenheit. Also wenn du als Frau das Gefühl hast, es ist bei dir generell und vor allem auch beim Sex sehr trocken, dann könnte das eine (Haupt-)Ursache sein.

2.3  Schmerzen beim Stoßen („Anstoßen“)

Jetzt kommen wir wohl zum interessantesten Punkt. Ich bin mir sicher, dass das nahezu jede Frau in gewisser Form schon erlebt hat. Dieser Schmerz, wenn du merkst da wird jetzt hinten in der Tiefe „angestoßen“. Das ist abhängig von der Länge des Penis / Dildos, bzw. von der Sexstellung. Und auch wieder abhängig von deiner Zyklusphase!

Dein Muttermund als empfindlichste Stelle

Das alles hat mit deinem Muttermund (auch „Zervix“ genannt) zu tun. Der Muttermund sitzt am Ende deiner Vagina und ist das Verbindungsstück zur Gebärmutter. Er ist der Grund für den Schmerz, den du womöglich bei tiefer Penetration empfindest.

Darstellung des Muttermundes, der Schmerzen beim Sex verursachen kann
Bildquelle: @natuerlich_feminin auf Instagram (danke Tina!)

Die gute Nachricht ist: das muss nicht so bleiben. Du kannst diesen Bereich völlig schmerzfrei bekommen und nicht nur das: du kannst wahrscheinlich sogar deine schönsten und intensivsten Orgasmen erleben, wenn du lernst die Zervix zu entspannen.

Vielleicht hast du auch das Gefühl: dass das irgendwie variabel ist:
Ja! Auch das hat wieder mit deinem Zyklus zu tun.
Der Muttermund verändert seine Durchlässigkeit je nach Zyklusphase. Geht es bei dir Richtung Eisprung (= fruchtbare Phase) wird die Zervix durchlässiger, das heißt sie öffnet sich (für die Spermien), wird weicher und zieht sich weiter zurück. Nach deinem Eisprung beginnt sie wieder härter zu werden und wandert nach unten. Das bedeutet: sie ist dann leichter zu Erreichen und eventuell noch berührungsempfindlicher als sonst.

Also kann es zum Beispiel passieren, dass du Schmerzen empfindest, wenn du kurz vor deiner Periode bist (oder währenddessen) und weniger Schmerzen beim Sex hast, wenn du nahe an deinem Eisprung bist.

Soviel zu den Ursachen. Ich möchte dir im Folgenden ein paar Tipps geben, wie du kurzfristig, aber auch langfristig und nachhaltig damit beginnen kannst dein Sexleben viel angenehmer zu gestalten.

3) Tipps gegen Schmerzen beim Sex

Mit all den Ursachen, die ich dir oben aufgezählt habe, wird vielleicht klarer wie komplex das Thema Sex ist. Und das meine ich positiv, denn es gibt viel Luft nach oben. Sex ist mehr als sich ausziehen, Rein Raus, Zack Orgasmus, Wow wir lieben uns, alles ist toll! Das ist Hollywood und (meist) unrealistisch. Nicht wirklich die Grundlage für erfüllte, nachhaltige Sexualität. 

Und für mich bedeutet das: es beginnt bei mir. Was kann ich tun, um mehr Lust, weniger Schmerzen, mehr Erfüllung in meiner Sexualität zu erleben?

Das ist erstmal leicht zu beheben, wenn du vor allem Probleme mit Trockenheit hast.

3.1 Erhöhe die Feuchtigkeit!

Wenn du nicht feucht genug bist, dann mach dir keine Vorwürfe. Denke nicht, dass mit dir was nicht stimmt. Dein Körper und dein Zyklus sind komplex und die Gründe für zu wenig Feuchtigkeit sind vielfältig. Statt dich zu sehr damit zu beschäftigen, benutze erstmal einfach Gleitgel. Das nimmt dir den Druck nicht schnell genug feucht zu werden oder nicht erregt genug zu sein. Und das ist gut, weil du dann wieder entspannter an die Sache ran gehen kannst. Wer weiß: wenn du wieder beginnst mehr Spaß am Sex zu haben, dann regelt sich das mit der Feuchtigkeit ganz schnell und du musst weniger oft zum Gleitgel greifen. Und wenn doch: auch kein Problem!

Gleitgel ist unter Umständen auch sehr nützlich, wenn du sehr lange Sex hast, dann kann es auch leicht passieren, dass es zu trocken wird. Mach dir einfach zur Angewohnheit Gleitgel in deinem Schlafzimmer stehen zu haben.. dann gibt es auch keine große Unterbrechungen 😇.
Achtung: wenn du mit Kondomen verhütest, stelle auf jeden Fall sicher, dass Gleitgel & Kondom kompatibel sind. Ich würde dir zu einem wasserbasierten möglichst aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehenden Gleitgel raten. Immerhin gelangt die Flüssigkeit in deinen sensiblen Vaginalbereich.

3.2 Übe Entspannung!

Die beste Empfehlung, die ich dir geben kann: kauf dir einen Dildo und probiere Sachen aus!

Dildos für Entspannungsübungen beim Solo-Sex
Simpel und schlicht. Mehr braucht es nicht!

Übung macht den Meister und so ist es auch beim Sex. Ich glaube nicht, dass du dafür mit 1000 Männern schlafen musst, sondern ich glaube die beste Erfahrung sammelst du mit dir selbst. Alleine und in Ruhe.

Wenn du dir bewusst Zeit nimmst und – ich sag mal spielerisch und intuitiv – deinen Körper erkundest, nicht mit dem Ziel möglichst schnell einen Orgasmus zu haben, sondern mit dem Ziel dich besser kennen zu lernen, dann wird das dein Sexleben auf ein ungeahntes Level heben. Da bin ich mir sicher.

Was du mit dem Dildo „üben“ kannst

Probleme beim Einführen :

  • Probiere verschiedene Stellungen durch. Für viele Frauen ist es am leichtesten in der seitlichen Lage zu entspannen.
  • Probiere den Effekt von Gleitgel aus: hilft es dir? Dann ist es eher ein Feuchtigkeitsproblem. Wenn es selbst damit schwer und unangenehm ist, geht es weiter darum dich zu entspannen!
  • Entspannung hat auch viel mit deiner Gemütslage zu tun. Versuche Ruhe und Gedankenlosigkeit zu finden (geh in eine Art meditativen Zustand). Teste aus, was dir hilft zu entspannen: Musik, Fenster auf/zu, Wärme, Wasser.

Probleme bei der Penetration (+ Muttermund):

  • Probiere auch hier wieder verschiede Positionen, um ein Gefühl zu bekommen, was sich für dich gut anfühlt. Du kannst auch den Winkel des Dildos verändern und natürlich in der Tiefe variieren. Mach das sachte! Besonders wenn du dich dem Muttermund näherst.
  • Spürst du Schmerz am Muttermund? Bleib ganz leicht auf der Stelle und versucht durch Bauchatmung die Zervix zu entspannen. Du kannst deinen ganzen Körper einbeziehen und dich ganz bewusst weich machen. Vielleicht spürst du schon einen leichten Effekt?
  • Wenn nicht: schau, dass deine sexuelle Erregung trotz Entspannung hoch bleibt, massiere die Klitoris und zum Beispiel deine Brüste. Dann kannst du nochmal zum Muttermund zurück kommen. Und auch hier: überstürze es nicht, das braucht Zeit.

Was du ohne Dildo üben kannst

  • Bewusst die Beckenbodenmuskulatur anspannen, die Anspannung halten und dann genau diese Muskulatur wieder entspannen. Das kannst du mehrmals am Tag üben.
  • Bauchatmung trainieren: deine Schulter, dein Brustkorb bewegen sich nicht, du atmest nur mit deinem Zwerchfell (= Bauchatmung) ein und aus.
  • Körperliche Entspannung üben (einfach mal alle Muskeln entspannen): dabei merkt man oft, wie angespannt man unbewusst ist!

Dieser Artikel ist jetzt schon ziemlich lang geworden 😄 und auch wenn es noch einiges zu sagen gibt, breche ich hier ab. Ich werde in folgenden Postings noch genauer auf bestimmte Themen eingehen. Wenn du zu irgendeinem Punkt Fragen hast, dann zögere bitte nicht mir zu schreiben. Hier in den Kommentaren, per Mail ([email protected]), oder auch auf Instagram.

♥️ Alles Liebe,
Cassy